Kostenschätzung

Gemäß der HOAI ist die Kostenschätzung eine Grundleistung des Bauplaners in der Leistungsphase 2. Sie bildet gleichzeitig eine von fünf Stufen der gesamten Kostenermittlung für ein Bauprojekt. In diesem Beitrag strukturieren wir alle relevanten Begriffe rund um die Kostenermittlung und zeigen auf, wie Bauplaner ihre Kostenschätzung effektiver gestalten können. Neben dem erforderlichen Fachwissen bieten wir praktische Tipps für den Arbeitsalltag.

Kostenschätzung nach DIN 276: Antworten auf zentrale Fragen

Die Kostenschätzung ist die zweite von fünf Stufen der Kostenermittlung im Bauwesen, basierend auf der DIN 276 von 2018. Diese Norm gibt die Richtung für die Ermittlung und Gliederung der Kosten vor, die bei Neubauten, Umbauten oder Modernisierungsprojekten anfallen. Im folgenden Abschnitt klären wir die Grundlagen für die Schätzung der Baukosten und erläutern den konkreten Vorgehensweg.

Die HOAI als rechtliche Grundlage für die Kostenschätzung

Die Kostenschätzung erfolgt in der Leistungsphase 2 der HOAI im Rahmen der Vorplanung. Hier werden, in Anlehnung an die Grundlagenermittlung in der Leistungsphase 1, weitere Vorbereitungen für das Projekt getroffen. Diese umfassen erste fachliche Planungen und Abstimmungen mit den Baubeteiligten zu den Anforderungen und Umsetzungsmöglichkeiten. Die Kostenschätzung gemäß DIN 276 ist eine Grundleistung gemäß HOAI und ermöglicht einen Vergleich mit den finanziellen Rahmenbedingungen. Eine vertiefte Kostenschätzung nach einzelnen Gewerken kann ebenfalls durchgeführt werden und gilt als Besondere Leistung in der Leistungsphase 2.

Nach der Entscheidung, das Bauvorhaben fortzuführen, geht es in die 3. Leistungsphase über – die Entwurfsplanung. Die Kostenschätzung bildet dabei die Grundlage für die 3. Stufe der Kostenermittlung – die Kostenberechnung nach DIN 276. Diese stellt ebenfalls eine Grundleistung gemäß HOAI dar und ermöglicht eine erste Kostenkontrolle durch den Vergleich mit den Ergebnissen der Kostenschätzung aus der Leistungsphase 2.

Warum beginnt die Kostenschätzung mit Projektbeginn? Die Kostenschätzung nach DIN 276 liegt in der Verantwortung des beauftragten Bauplaners, sei es ein Ingenieur oder Architekt. Eine frühzeitige Ermittlung der zu erwartenden Kosten ist wichtig, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden. Selbst wenn noch keine Sicherheiten über Planungsdetails und Angebote vorliegen, ermöglicht eine erste Abschätzung mit den vorhandenen Daten und Erfahrungswerten eine realistische Einschätzung der finanziellen Machbarkeit des Bauvorhabens. Die Recherchen und Überlegungen im Rahmen der Vorplanung bilden somit die erste Grundlage für die Kostenschätzung.

Wie erstellt man eine Kostenschätzung?

Eine fundierte Kostenschätzung basiert auf einem Kostenrahmen gemäß DIN 276. Die Gesamtkosten werden in einzelne Kostenbestandteile aufgeteilt, wobei bei der Kostenschätzung nur die erste Ebene der 8 Kostengruppen relevant ist. Diese umfassen unter anderem Grundstückskosten, vorbereitende Maßnahmen, Baukonstruktionen, technische Anlagen, Außenanlagen, Ausstattung und Kunstwerke, Baunebenkosten sowie Finanzierung. Einige Kostenpositionen sind bereits bekannt, während andere fundiert geschätzt werden, unterstützt durch Grundflächen, Rauminhalte oder andere Maßangaben gemäß DIN 277.

Kostenschätzung

Wie genau muss eine Kostenschätzung sein?

Die Kostenschätzung ist, wie der Name bereits andeutet, eher eine Schätzung als eine exakte Berechnung. Eine Genauigkeit von +/- 30 % wird erwartet. Je weiter man in den Kostenermittlungsstufen fortschreitet, desto genauer sollten die Berechnungen werden. Der Toleranzbereich für Abweichungen wird damit zunehmend geringer.

Kostenschätzung bei der Preiskalkulation

Die Preiskalkulation von Bauleistungen ist eng mit der Kostenbetrachtung verbunden, obwohl sie nicht die Aufgabe des Bauplaners ist. Die Kalkulation obliegt den Gewerken, die ihre Bauleistung anbieten. Dabei orientiert sich der Preis an der Kalkulation von Material- und Baukosten sowie Lohnkosten, unterstützt durch die Formblätter 221 und 222 für die Zuschlags- bzw. Endkostenkalkulation.

Die Phasen der Kostenermittlung

Die gesamte Kostenermittlung für ein Bauprojekt erfolgt in fünf Stufen, wovon die Kostenschätzung eine ist. Hier erhalten Sie einen kurzen Überblick über alle Phasen, um den gesamten Prozess von Anfang bis Ende zu verstehen.

Effiziente Durchführung der Kostenschätzung Mit den Grundlagen zur Kostenermittlung vertraut, werfen wir nun einen Blick auf die praktische Umsetzung und wie Sie diese effektiv durchführen können.

Manuelle Kostenschätzung: Berechnung durch Auflistung einzelner Positionen Eine logische Vorgehensweise bei der Kostenschätzung ist das Auflisten aller bekannten Kosten und die Ableitung weiterer zu erwartender Kosten. Oft beginnen Bauplaner mit einem leeren Blatt Papier oder einer Excel-Tabelle, was Zeit und Nerven kosten kann. Dieser Aufwand lässt sich jedoch reduzieren, indem Sie auf praktische Vorlagen zurückgreifen. Kostengruppen-Vorlagen nach DIN 276 bieten ein bewährtes Grundgerüst, das nur noch mit projektrelevanten Angaben ergänzt werden muss. Die Berechnungen erfolgen automatisch, und Sie erhalten einen schnellen Überblick über die absehbaren Kosten.

Mehr Struktur dank praktischer Vorlagen bei der Kostenschätzung Anstatt mit einem leeren Dokument zu beginnen, bieten Kostengruppen-Vorlagen nach DIN 276 ein bewährtes Grundgerüst für die Kostenschätzung. Diese Vorlagen umfassen tabellarische Übersichten zu den Kostengruppen, die nur noch mit projektrelevanten Angaben ergänzt werden müssen. Die automatische Berechnung durch Tabellenkalkulation spart Zeit und bürokratischen Aufwand. Ein strukturiertes Vorgehen mit Vorlagen begleitet Sie zuverlässig durch das gesamte Bauprojekt, insbesondere wenn Sie eine passende Software zusätzlich verwenden.

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